Handform, Strangpress oder Wasserstrich – 3 Klinker-Herstellungen im Vergleich

Klinker werden seit Jahrhunderten gebrannt – das Brennen bei über 1.000 Grad ist bei allen Klinkern gleich und sorgt für die typischen Eigenschaften: kaum Wasseraufnahme, Frostbeständigkeit und eine Lebensdauer, die sich über Generationen erstreckt. Unterschiedlich ist die Formgebung. Wie der Stein vor dem Brand geformt wird, prägt seine Oberfläche, Farbgebung und damit den Charakter der späteren Fassade. Drei Verfahren haben sich etabliert: Handform, Strangpress und Wasserstrich. Sie unterscheiden sich nicht in der technischen Qualität, sondern in der Optik – und genau das macht die Wahl zur Designentscheidung.

Handform-Klinker – Lebendig und unregelmäßig

Bei der Handform-Herstellung wird der Ton in Sandformen geworfen, ähnlich wie es schon vor Jahrhunderten üblich war – heute meist maschinell, aber mit dem charakteristischen Wurf-Effekt. Dadurch entsteht eine lebendige Oberfläche mit feinen Unregelmäßigkeiten, leichten Farbschattierungen und einer Haptik, die an traditionelles Mauerwerk erinnert. Kein Stein gleicht exakt dem anderen.

Handform-Klinker sind die richtige Wahl für Fassaden, die Charakter, Tiefe und einen handwerklichen Look transportieren sollen. Sie passen sowohl zu traditioneller Architektur als auch zu modernen Gebäuden, die einen warmen, lebendigen Kontrast zu klaren Linien suchen.

Strangpress-Klinker: Klare Linien und gleichmäßige Optik

Strangpress-Klinker entstehen, indem der Ton durch ein Mundstück gepresst und anschließend auf Länge geschnitten wird. Das Ergebnis ist eine glatte, gleichmäßige Oberfläche mit klaren Kanten und präzisen Maßen. Dadurch wirken Fassaden ruhig, geordnet und unaufgeregt.

Strangpress-Klinker eignen sich besonders für moderne Architektur, bei der die Fassade als zurückhaltende Fläche wirken soll. Auch bei großflächigen Bauten, in denen ein gleichmäßiges Mauerwerksbild gewünscht ist, ist Strangpress die geeignete Wahl.

Wasserstrich-Klinker: Samtig und farbenfrisch

Beim Wasserstrich-Verfahren wird die Tonmasse mit Wasser benetzt, bevor sie in die Form geht. So löst sich der Stein leichter aus der Form und behält eine samtige, leicht raue Oberfläche. Charakteristisch sind die fließenden Farbübergänge und das lebendige Spiel von hellen und dunklen Nuancen auf einem Stein.

Wasserstrich-Klinker bieten optisch eine Mitte zwischen Handform und Strangpress: nicht so ruhig wie Strangpress, aber gleichmäßiger als Handform. Sie eignen sich für Bauherren, die einen modernen, natürlich wirkenden Stein ohne die extremen Unregelmäßigkeiten eines Handform-Klinkers suchen.

Im Direktvergleich

Eigenschaft Handform Strangpress Wasserstrich
Oberfläche lebendig, unregelmäßig glatt, gleichmäßig samtig, fein strukturiert
Charakter traditionell, handwerklich modern, ruhig natürlich, vielschichtig
Typischer Einsatz Sanierung, ländliche Bauten, Akzent-Fassaden Reihenhäuser, Bürogebäude, Großflächen Einfamilienhäuser, gehobene Architektur

Welches Verfahren passt zu Ihrem Projekt?

Die Wahl zwischen Handform, Strangpress und Wasserstrich ist keine Qualitätsfrage – alle drei Verfahren liefern langlebige und frostbeständige Klinker. Es ist eine gestalterische Entscheidung. Wer Charakter und Lebendigkeit will, greift zu Handform. Wer eine ruhige, moderne Fläche braucht, wählt Strangpress. Und wer das Beste aus beiden Welten sucht – natürlich, aber nicht extrem unruhig –, findet im Wasserstrich-Verfahren die passende Mitte.

Wer keine Vollklinker verwenden möchte oder im Bestand saniert, findet alle drei Verfahren auch als Riemchen-Variante – also als schlanke Verblender für Wärmedämm-Verbundsysteme und Fassadenverkleidungen.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Handform-, Strangpress- und Wasserstrich-Klinkern?

Alle drei Verfahren erzeugen langlebige und frostbeständige Klinker – der Unterschied liegt in der Optik. Handform-Klinker haben eine lebendige, unregelmäßige Oberfläche. Strangpress-Klinker sind glatt und gleichmäßig. Wasserstrich-Klinker bieten eine samtige Oberfläche mit fließenden Farbübergängen.

Welches Klinker-Verfahren ist am besten?

Keines ist qualitativ besser – die Wahl ist gestalterisch. Handform passt für Charakter und Lebendigkeit, Strangpress für ruhige, moderne Flächen, Wasserstrich für natürlich wirkende Fassaden mit gleichmäßiger Optik.

Gibt es Handform, Strangpress und Wasserstrich auch als Riemchen?

Ja, alle drei Herstellungsverfahren sind auch als Riemchen erhältlich – also als schlanke Verblender für Wärmedämm-Verbundsysteme und Fassadenverkleidungen im Bestand.

Eine Auswahl an verschiedenen Klinkersteinen und anderen Verblendern finden Sie hier.

Klinker persönlich erleben

Bevor Sie sich für ein Verfahren entscheiden: Fassen Sie die Klinker an, sehen Sie das Farbspiel im Tageslicht, vergleichen Sie Formate und Fugen direkt nebeneinander. In unserer Ausstellung finden Sie alle drei Herstellungsvarianten mit über 200 Mustern.

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